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Das Religiöse und die Revolution bei Hugo von Hofmannsthal
Nam, Jeong A.

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Produktbeschreibung

Schon seit Langem hat sich die Hofmannsthal-Forschung mit dem Thema der Religion oder der Politik beschäftigt. Bislang ist jedoch das enge Begründungsverhältnis von Religion und Politik bei diesem Autor noch kaum in Betracht gezogen worden, obwohl es vor allem für das Verständnis seines späten Werkes eine richtungweisende Rolle spielen kann. Dieses Verhältnis wird hiermit durch die eingehende Analyse der Einzelwerke Hofmannsthals beleuchtet. Dabei stellt sich das Religiöse bei Hofmannsthal gegen die bisher herrschende Meinung vom Anachronismus als modern heraus. Darüber hinaus offenbart sich, dass seine Gedanken über die Wiederherstellung der sozial-politischen Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg auf dem Religiösen, genauer gesagt auf dem Christlichen beruhen.
1;Inhaltsverzeichnis;6
2;Einleitung;8
3;I. Das Christentum in der Moderne und Hofmannsthal;15
3.1;1. 'Transzendentale Obdachlosigkeit';16
3.2;2. Hinführung zur religiösen Thematik bei Hofmannsthal;23
4;II. Gott und seine Ordnung;29
4.1;1. Menschenwelt ohne Gott;29
4.1.1;1.1 Verlust der Götter als Legitimationsinstanz - Elektra;29
4.1.2;1.2 Gottesleugnung - Knabengeschichte;38
4.1.3;1.3 Austritt Gottes und Autonomie des Menschen - Das Salzburger Große Welttheater;46
4.1.4;1.4 "Redet Gott mit zwei Zungen?";57
4.2;2. Gottes Restauration oder Theodors "Aufsicht über das Ganze";72
5;III. Die soziale und religiöse Gerechtigkeit - Das Salzburger Große Welttheater;85
5.1;1. Ein Sozialdrama im geistlichen Drama;85
5.2;2. Die Revolution des Bettlers;92
5.2.1;2.1 Die religiöse Gerechtigkeit;92
5.2.2;2.2 Die soziale Gerechtigkeit und das Proletariat;96
5.2.3;2.3 Das Religiöse in der Revolution des Bettlers;103
5.3;3. Die Axt-Szene und die Transzendenz;108
6;IV. Die Revolution und das Religiöse - Der Turm;114
6.1;1. Der Staatsstreich;115
6.1.1;1.1 Julian;115
6.1.2;1.2 Der Adel in Der Turm II;119
6.2;2. Die sozialistische Revolution;123
6.2.1;2.1 Die Revolte Oliviers in Der Turm I;124
6.2.2;2.2 Die sozialistische Revolution Oliviers in Der Turm II;128
6.3;3. Die Welterneuerung Sigismunds;136
6.4;3.1 Die christliche Messiasfigur ohne religiöse Transzendenz;137
6.5;3.2 Die politisch-soziale Verkörperung des Christlichen;141
6.5.1;3.2.1 Der freiwillige Gehorsam und die Herrschaft als Dienst;142
6.5.2;3.2.2 Die christliche Verkörperung der sozialen Gerechtigkeit;148
7;V. Die konservative Revolution;154
7.1;1. Die konservative Revolution und Das Schrifttum als geistiger Raum der Nation;154
7.2;2. Die konservative Revolution Sigismunds und Aufzeichnungen zu Reden in Skandinavien;166
8;Schluss;175
9;Literaturverzeichnis;178
Geboren 1969 in Daegu, Süd-Korea, Abschluss des Bachelorstudiums 1992 und des Magisterstudiums 1997 im Fach Germanistik an der Seoul National University in Süd-Korea, Promotion 2010 im Fach Neuere Deutsche Literatur an der Universität München in Deutschland.
IV. Die Revolution und das Religiöse – Der Turm (S. 111-112)

Durch die Einmischung der transzendenten Instanz muss der Bettler in Das Salzburger Große Welttheater nicht nur auf seine Gewalttat, sondern auch auf seine Revolution verzichten, in der er um soziale Gerechtigkeit kämpft. Der eigentliche Gegner seiner Revolution ist nicht die besitzende Klasse, sondern die religiöse Transzendenz, die jeglichen Versuch, die Ungleichheit in der irdischen Welt gewaltsam aufzuheben, sinnlos macht.

Mit der Übernahme des calderó;nischen religiösen Dogmas besteht in Hofmannsthals Welttheater keine Möglichkeit für eine soziale Revolution, die einen tief greifenden Wandel der Gesellschaftsstruktur herbeiführen würde. In Der Turm aber entfaltet sich die Revolution – genauer gesagt, die verschiedenen Formen der Umwälzung, die angesichts der Herrschaftskrise des Basilius von verschiedenen politischen Kräften getragen werden – ohne Einflüsse der transzendenten Instanz, lediglich unter der Gewalt der Menschen.

Nach Griewank bezeichnete das Wort ‚revolutio' in der Astronomie im 14. Jahrhundert ursprünglich die Rundbewegung von Gestirnen um einen Mittelpunkt.523 Schon damals fand das Wort zwar eine politische Verwendung, es bezog sich aber noch nicht auf die Staatsumwälzung, sondern nur auf unruhige Ereignisse.

Erst durch die Französische Revolution wird die Revolution als "ein in kurzer Zeit gewaltsam und illegal bewirkter radikaler Umbruch im Bereich der Institutionen, der Sozialstruktur, der Ideologie, Eigentumsverhältnisse und Elitenzusammensetzung einer gegebenen Gesellschaft"525 verstanden. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter ‚Revolution' ein breites Spektrum an Phänomenen, die nach jeweiliger Zielsetzung, Eigenschaft des Revolutionssubjekts oder Entwicklungsphase der gewaltsamen Bewegung unterschiedlich zu definieren sind. Als solche Phänomene sind in Der Turm etwa der Staatsstreich Julians und des Adels, die Revolte sowie die sozialistische Revolution Oliviers und die auf dem Christlichen fundierte Erneuerung Sigismunds zu beobachten.

1. Der Staatsstreich

Wenn hohe politische Funktionäre gegen die bestehende Herrschaft rebellieren, ist das ein Staatsstreich, in dem es in der Regel um "die konspirativ bewirkte Ausschaltung der bestehenden Regierungsführung oder aber die plötzliche und drastische Verlagerung eines vorhandenen institutionellen Gleichgewichts zugunsten der Exekutivgewalt" geht.

Beim Staatsstreich beschränken sich die Zielsetzungen meistens auf das "Auswechseln der herrschenden Oligarchie durch eine andere, [und die] Akzentverlagerung in der Bedeutung von Herrschaftssäulen."527 Deshalb gibt es außer des Herrschaftswechsels keine wesentlichen Änderungen in der gesellschaftlichen und ökonomischen Dimension. Beispielsweise handelt es sich bei einer Palast-Revolution oder bei einem Militärputsch um solch einen durch Gewalt herbeigeführten Herrschaftswechsel.528 In Der Turm wagen die Untertanen des Basilius den Staatsstreich, indem sie versuchen, den König durch eine Verschwörung zu entmachten und die Herrschaftsmacht zu ergreifen. "

Über den Autor



Geboren 1969 in Daegu, Süd-Korea, Abschluss des Bachelorstudiums 1992 und des Magisterstudiums 1997 im Fach Germanistik an der Seoul National University in Süd-Korea, Promotion 2010 im Fach Neuere Deutsche Literatur an der Universität München in Deutschland.


Klappentext



Schon seit Langem hat sich die Hofmannsthal-Forschung mit dem Thema der Religion oder der Politik beschäftigt. Bislang ist jedoch das enge Begründungsverhältnis von Religion und Politik bei diesem Autor noch kaum in Betracht gezogen worden, obwohl es vor allem für das Verständnis seines späten Werkes eine richtungweisende Rolle spielen kann. Dieses Verhältnis wird hiermit durch die eingehende Analyse der Einzelwerke Hofmannsthals beleuchtet. Dabei stellt sich das Religiöse bei Hofmannsthal gegen die bisher herrschende Meinung vom Anachronismus als modern heraus. Darüber hinaus offenbart sich, dass seine Gedanken über die Wiederherstellung der sozial-politischen Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg auf dem Religiösen, genauer gesagt auf dem Christlichen beruhen.


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