reine Buchbestellungen ab 5 Euro senden wir Ihnen Portofrei zuDiesen Artikel senden wir Ihnen ohne weiteren Aufpreis als PAKET

Herrschaftsräume, Herrschaftspraxis und Kommunikation zur Zeit Kaiser Friedrichs II.

44,00 €

inkl. MwSt. · Portofrei
Artikel zur Zeit nicht bestellbar

Produktbeschreibung

Die Vielseitigkeit, auch die Widersprüchlichkeit Kaiser Friedrichs II. ist immer wieder betont worden. Aber das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten war in den verschiedenen Reichsteilen nicht zuletzt an unterschiedliche Traditionen gebunden, die auch die Wahrnehmung des Staufers durch seine Zeitgenossen bestimmten. Diesen Zusammenhängen gilt die Frage nach Herrschaftsräumen, Herrschaftspraxis und Kommunikation: unter einer solchen Perspektive treten insbesondere die kontextgebundenen, häufig gegensätzlichen Erwartungshaltungen zutage, mit denen der Kaiser in seinem heterogenen Reich konfrontiert wurde und die zu einem guten Teil auch die vielberufene Rätselhaftigkeit seiner Person erklären dürften.

Die Beiträge des Sammelbandes untersuchen Geschichtsbilder und ihre Gegenwart, Formen herrscherlicher Repräsentation und Beispiele charakteristischer Herrschaftspraxis in den einzelnen Teilen des Reichs Friedrichs II.

Autoren in der Reihenfolge ihrer Beiträge:
Knut Görich, Marcus Thomsen, Roberto delle Donne, Björn Weiler, Jan Keupp, Martina Giese, Michael Matzke, Harald Wolter-von dem Knesebeck, Gerd Althoff, Theo Broekmann, Christoph Dartmann, Christoph Friedrich Weber, Georg Vogeler, Klaus van Eickels
1;Inhalt;6
2;Zu diesem Band;10
3;Modernität als Topos - Friedrich II. in der deutschen Historiographie;22
4;Der Vater des ghibellinischen Vaterlands.;42
5;Stupor Mundi:;64
6;Im Bann der ritterlich-höfischen Kultur;98
7;Die Tierhaltung am Hof Kaiser Friedrichs II. zwischen Tradition und Innovation;122
8;Der Kaiser im Münzbild;174
9;Bilder für Friedrich II.?;208
10;Öffentliche Demut: Friedrich II. und die Heiligen;230
11;Unterwerfung unter den Kaiser - Rhetorik und Ritual im Fall Faenza;254
12;Zwischen kaiserlicher Legitimation und kommunaler Autokephalie - Beobachtungen zur ' Regierung' Friedrichs II. in Reichsitalien;282
13;Kommunikation zwischen Friedrich II. und den italienischen Kommunen;306
14;Die "Veröffentlichung" von Urkunden Kaiser Friedrichs II. im Regnum Siciliae;344
15;Normen im Konflikt;364
16;Legitimierung von Entscheidungen durch Experten;392
17;Personenregister;408 1;Inhalt;6
2;Zu diesem Band;10
3;Modernität als Topos - Friedrich II. in der deutschen Historiographie;22
4;Der Vater des ghibellinischen Vaterlands.;42
5;Stupor Mundi:;64
6;Im Bann der ritterlich-höfischen Kultur;98
7;Die Tierhaltung am Hof Kaiser Friedrichs II. zwischen Tradition und Innovation;122
8;Der Kaiser im Münzbild;174
9;Bilder für Friedrich II.?;208
10;Öffentliche Demut: Friedrich II. und die Heiligen;230
11;Unterwerfung unter den Kaiser - Rhetorik und Ritual im Fall Faenza;254
12;Zwischen kaiserlicher Legitimation und kommunaler Autokephalie - Beobachtungen zur ' Regierung' Friedrichs II. in Reichsitalien;282
13;Kommunikation zwischen Friedrich II. und den italienischen Kommunen;306
14;Die "Veröffentlichung" von Urkunden Kaiser Friedrichs II. im Regnum Siciliae;344
15;Normen im Konflikt;364
16;Legitimierung von Entscheidungen durch Experten;392
17;Personenregister;408
Autoren in der Reihenfolge ihrer Beiträge: Knut Görich, Marcus Thomsen, Roberto delle Donne, Björn Weiler, Jan Keupp, Martina Giese, Michael Matzke, Harald Wolter-von dem Knesebeck, Gerd Althoff, Theo Broekmann, Christoph Dartmann, Christoph Friedrich Weber, Georg Vogeler, Klaus van Eickels
Jan Keupp
Im Bann der ritterlich-höfischen Kultur (S. 98-100)

Adelsrang und Ritterwürde in der Konzeption des Hofes Friedrichs II.

"Vier Tage hindurch" hatte der Kaiser im Juli des Jahres 1235 "mit großer Pracht" die Hochzeit mit der schönen Isabella von England begangen. Nun begab sich der Kaiser zu seiner geschätzten Pfalz Hagenau, in deren Mauern er schließlich auch den Winter verbringen sollte. Doch auch hier ver weilte er keineswegs frei von repräsentativen Pflichten. So erreichte ihn eine Gesandtschaft der kastilischen Königin, die ihm kostbare spanische Kriegspferde zum Geschenk machte. Zudem trat Graf Raimund Berengar von der Provence mit einer bemerkenswerten Bitte an ihn heran: Der Kaiser möge ihn noch im hohen Alter von fünfzig Jahren in den Rang eines Ritters erheben. Bisher habe er diese Würde aufgrund eines Aberglaubens noch nicht empfangen. Jetzt aber wolle er dem Drängen seiner beiden Schwiegersöhne, der Könige von England und Frankreich, nachgeben: "Denn", so heißt es in der Kölner Königschronik, "sie erachteten es für unwürdig, daß ihr Schwiegervater noch kein Ritter wäre".

Das Rittertum erscheint im Licht dieser Episode als Rangstellung, die unabhängig vom ererbten Adel ihres Inhabers einer freiwilligen Entscheidung bedurfte. Indes wird zugleich ein latenter sozialer Druck erkennbar, sich dem Ritual der Rittererhebung zu unterwerfen. Offenbar betrachteten die Zeitgenossen die damit verbundene Aufwertung keineswegs als arbiträres Attribut adeliger Existenz. Auch andere Grafen und Barone aus dem Umfeld Friedrichs II. scheuten den Kostenaufwand einer feierlichen Schwertleite durch die Hand des Kaisers nicht. Das Ansehen des ritterlichen Namens wurde im Rahmen der Kreuzzüge gar als vielverspre chendes Exportgut in den vorderen Orient verbracht, auch wenn die muslimische Nobilität bereits damals den kulturellen Segnungen des Westens mit sichtlicher Distanz begegnete. Immerhin, so will es eine spätere Überlieferung, habe Friedrich II. seinen muslimischen Ver handlungspartner Fahr ad-Din in den Ritterstand erhoben und ihm zugleich den Kaiseradler als Wappentier verliehen. Ob der Emir sich allerdings bewußt war, welchen konkreten Gehalt eine solche Ehrung in den Augen seines kaiserlichen Gegenübers besaß, bleibt zu bezweifeln.

Doch reicht unser modernes Wissen in diesem Punkt kaum weiter. In Bezug auf die Bedeutung der ritterlichen Würde für die Menschen des Mittelalters scheitern auch wir an der Fremdheit einer weit entfernten Kultur: "Von allen Begriffen, die zu einer genauen Kenntnis des westeuropäischen Mittelalters Voraussetzung sind, gehört das Rittertum ganz gewiß zu den am schwersten greifbaren", so beginnt Francois Louis Ganshof seine Beantwortung der Frage 'Qu'est-ce que la chevalerie?': "Einmal möchte man darin eine Institution sehen, ein andermal ein Ideal, dann wieder eine soziale Gruppe". "Es sind zu unterscheiden: Amt, Würde, Stand und Idee", so suchte Werner Paravicini das zu differenzieren, was auch ihm ein "vieldeutiger und verwirrender Begriff" erschien. Wer sich heute mit dem Rätsel des Rittertums auseinandersetze, ähnle nach Ansicht Arno Borsts nicht wenig jenen Artusrittern, "die einsam und gepanzert den großen Märchenwald durchstreifen". Im dichten Unterholz der Forschungsliteratur kann ihm der Ritter unversehens als juristisch fixierter Stand, feudale Klasse, sozialgeschichtliches Substrat, geistige Strömung oder in literarische Diskurse aufgelöstes Phantom begegnen.11 Immerhin herrscht mittlerweile weithin Konsens über ein Bündel unterschiedlicher Konstituenten, die das Phänomen gleich sam einrahmten: Neben dem im Ritterbegriff selbst enthaltenen militärischen Moment sind dem nach soziale, recht liche und ethisch-normative Aspekte zu berücksichtigen. Konkret resul tierte aus diesen Elementen ein spezifisches Repertoire an "standestypischen Verhaltens normen, in denen sich Vorstellungen verschiedener Herk Jan Keupp
Im Bann der ritterlich-höfischen Kultur (S. 98-100)

Adelsrang und Ritterwürde in der Konzeption des Hofes Friedrichs II.

"Vier Tage hindurch" hatte der Kaiser im Juli des Jahres 1235 "mit großer Pracht" die Hochzeit mit der schönen Isabella von England begangen. Nun begab sich der Kaiser zu seiner geschätzten Pfalz Hagenau, in deren Mauern er schließlich auch den Winter verbringen sollte. Doch auch hier ver weilte er keineswegs frei von repräsentativen Pflichten. So erreichte ihn eine Gesandtschaft der kastilischen Königin, die ihm kostbare spanische Kriegspferde zum Geschenk machte. Zudem trat Graf Raimund Berengar von der Provence mit einer bemerkenswerten Bitte an ihn heran: Der Kaiser möge ihn noch im hohen Alter von fünfzig Jahren in den Rang eines Ritters erheben. Bisher habe er diese Würde aufgrund eines Aberglaubens noch nicht empfangen. Jetzt aber wolle er dem Drängen seiner beiden Schwiegersöhne, der Könige von England und Frankreich, nachgeben: "Denn", so heißt es in der Kölner Königschronik, "sie erachteten es für unwürdig, daß ihr Schwiegervater noch kein Ritter wäre".

Das Rittertum erscheint im Licht dieser Episode als Rangstellung, die unabhängig vom ererbten Adel ihres Inhabers einer freiwilligen Entscheidung bedurfte. Indes wird zugleich ein latenter sozialer Druck erkennbar, sich dem Ritual der Rittererhebung zu unterwerfen. Offenbar betrachteten die Zeitgenossen die damit verbundene Aufwertung keineswegs als arbiträres Attribut adeliger Existenz. Auch andere Grafen und Barone aus dem Umfeld Friedrichs II. scheuten den Kostenaufwand einer feierlichen Schwertleite durch die Hand des Kaisers nicht. Das Ansehen des ritterlichen Namens wurde im Rahmen der Kreuzzüge gar als vielverspre chendes Exportgut in den vorderen Orient verbracht, auch wenn die muslimische Nobilität bereits damals den kulturellen Segnungen des Westens mit sichtlicher Distanz begegnete. Immerhin, so will es eine spätere Überlieferung, habe Friedrich II. seinen muslimischen Ver handlungspartner Fahr ad-Din in den Ritterstand erhoben und ihm zugleich den Kaiseradler als Wappentier verliehen. Ob der Emir sich allerdings bewußt war, welchen konkreten Gehalt eine solche Ehrung in den Augen seines kaiserlichen Gegenübers besaß, bleibt zu bezweifeln.

Doch reicht unser modernes Wissen in diesem Punkt kaum weiter. In Bezug auf die Bedeutung der ritterlichen Würde für die Menschen des Mittelalters scheitern auch wir an der Fremdheit einer weit entfernten Kultur: "Von allen Begriffen, die zu einer genauen Kenntnis des westeuropäischen Mittelalters Voraussetzung sind, gehört das Rittertum ganz gewiß zu den am schwersten greifbaren", so beginnt Francois Louis Ganshof seine Beantwortung der Frage 'Qu'est-ce que la chevalerie?': "Einmal möchte man darin eine Institution sehen, ein andermal ein Ideal, dann wieder eine soziale Gruppe". "Es sind zu unterscheiden: Amt, Würde, Stand und Idee", so suchte Werner Paravicini das zu differenzieren, was auch ihm ein "vieldeutiger und verwirrender Begriff" erschien. Wer sich heute mit dem Rätsel des Rittertums auseinandersetze, ähnle nach Ansicht Arno Borsts nicht wenig jenen Artusrittern, "die einsam und gepanzert den großen Märchenwald durchstreifen". Im dichten Unterholz der Forschungsliteratur kann ihm der Ritter unversehens als juristisch fixierter Stand, feudale Klasse, sozialgeschichtliches Substrat, geistige Strömung oder in literarische Diskurse aufgelöstes Phantom begegnen.11 Immerhin herrscht mittlerweile weithin Konsens über ein Bündel unterschiedlicher Konstituenten, die das Phänomen gleich sam einrahmten: Neben dem im Ritterbegriff selbst enthaltenen militärischen Moment sind dem nach soziale, recht liche und ethisch-normative Aspekte zu berücksichtigen. Konkret resul tierte aus diesen Elementen ein spezifisches Repertoire an "standestypischen Verhaltens normen, in denen sich Vorstellungen verschiedener Herk

Über den Autor



Autoren in der Reihenfolge ihrer Beiträge:
Knut Görich, Marcus Thomsen, Roberto delle Donne, Björn Weiler, Jan Keupp, Martina Giese, Michael Matzke, Harald Wolter-von dem Knesebeck, Gerd Althoff, Theo Broekmann, Christoph Dartmann, Christoph Friedrich Weber, Georg Vogeler, Klaus van Eickels


Klappentext



Die Vielseitigkeit, auch die Widersprüchlichkeit Kaiser Friedrichs II. ist immer wieder betont worden. Aber das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten war in den verschiedenen Reichsteilen nicht zuletzt an unterschiedliche Traditionen gebunden, die auch die Wahrnehmung des Staufers durch seine Zeitgenossen bestimmten. Diesen Zusammenhängen gilt die Frage nach Herrschaftsräumen, Herrschaftspraxis und Kommunikation: unter einer solchen Perspektive treten insbesondere die kontextgebundenen, häufig gegensätzlichen Erwartungshaltungen zutage, mit denen der Kaiser in seinem heterogenen Reich konfrontiert wurde und die zu einem guten Teil auch die vielberufene Rätselhaftigkeit seiner Person erklären dürften.
Die Beiträge des Sammelbandes untersuchen Geschichtsbilder und ihre Gegenwart, Formen herrscherlicher Repräsentation und Beispiele charakteristischer Herrschaftspraxis in den einzelnen Teilen des Reichs Friedrichs II.


Ähnliche Artikel