Dr. Niels Werber, M. A., studierte Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Veröffentlichungen zur französischen Literatur, zur strukturellen Psychoanalyse und vor allem zur Systemtheorie.
Die Systemtheorie wird für die Literaturwissenschaft so weit applikationsreif gemacht, daß ihre zentralen Thesen endlich auch an Texten überprüfbar sind und zu literaturwissenschaftlich relevanten Ergebnissen führen. Die Entstehung des Sozialsystems 'Literatur' wird an wichtigen literarischen, poetischen und ästhetischen Texten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts verfolgt, die Konsequenzen aus dieser Entwicklung werden vor allem an Werken der Romantik demonstriert. Der enge Bezug zum historischen Material ermöglicht nicht nur eine Anpassung der soziologischen Systemtheorie an literaturwissenschaftliche Bedürfnisse, sondern erzwingt zudem auch eine Weiterentwicklung der Systemtheorie selbst, die auch außerhalb der Literaturwissenschaft nicht ohne Folgen bleiben wird."(...) Niels Werber unterscheidet sich von vielen Luhmann-Epigonen durch seinen theoretischen und stilistischen Eigensinn. Systemtheoretische Prämissen werden geprüft, übernommen und an Einzelwerken verifiziert, der Autor erweitert das Spektrum literarischer Erkenntnisse, anstatt es kategorial zu verengen."Das Argument 204/94|Eine wissenschaftliche Arbeit zu beenden und den letzten Punkt zu setzen, fällt viel leicht schwerer, als mit ihr zu beginnen. Man ist geneigt, im Verlauf des Schreibens dem Theoriegebäude immer neue Erker, Verzierungen, Bögen hinzuzufügen, um immer wieder neue Details, Parallelen und Entdeckungen zu berücksichtigen und in das wachsende Gebäude des Textes einzufügen. Der stolze Bauherr gerät hier in Ge fahr, mit seiner theoretischen Architektur gleichsam eine gotische Kathedrale zu er richten, dessen unzählige Ornamente und Reliefs oftmals dem Blick des Betrachters entzogen bleiben und allein dem Architekten eine arcane Freude bereiten. Um diese Gotik der Theorie zu vermeiden, habe ich versucht, in den folgenden sechs Kapiteln den Bauplan immer wieder sichtbar werden zu lassen, ohne jedoch den Be trachter durch die banale Redundanz einer Reihenhaussiedlung zu langweilen. Die interessanten Details sollen jedem sichtbar sein, jedoch nicht um als Dekor zu die nen, sondern als empirisches Fundament. Die systemtheoretische These, daß die Literatur als soziales System aus einem Ge mengelage sozialer Felder differenziert und in diesem Ausdifferenzierungsprozeß immer mehr Distinktion gegen andere Bereiche der Gesellschaft gewinnt, soll dieser Arbeit die Einheit eines Entwurfes geben; die Applikation dieser These auf das Ma terial der historischen Semantik soll ihr ein Fundament verschaffen; die Überprüfung des Differenzierungsvorganges an so verschiedenen sozialen Systemen wie Moral, Ästhetik oder Religion soll dabei nicht nur für eine größeren Grad der Validierung, sondern auch für Abwechslung sorgen.
Theorien der Gesellschaft als Literaturtheorien - Von der Poetik Alteuropas zur Ästhetik der Moderne. Gesellschaftsstruktur und Semantik des Epochenumbruchs - Literatur ist codierbar. Über das Böse, Schöne, Interessante und Langweilige - Die Theodizee in der Literatur. Der unaufhaltsame Aufstieg des Bösen zum Faszinosum - Die Lizent zum Töten: über den Mord als Motiv - Literatur und Religion. Was ist ein 'theologisches Kunstwerk'?
Eine wissenschaftliche Arbeit zu beenden und den letzten Punkt zu setzen, fällt viel leicht schwerer, als mit ihr zu beginnen. Man ist geneigt, im Verlauf des Schreibens dem Theoriegebäude immer neue Erker, Verzierungen, Bögen hinzuzufügen, um immer wieder neue Details, Parallelen und Entdeckungen zu berücksichtigen und in das wachsende Gebäude des Textes einzufügen. Der stolze Bauherr gerät hier in Ge fahr, mit seiner theoretischen Architektur gleichsam eine gotische Kathedrale zu er richten, dessen unzählige Ornamente und Reliefs oftmals dem Blick des Betrachters entzogen bleiben und allein dem Architekten eine arcane Freude bereiten. Um diese Gotik der Theorie zu vermeiden, habe ich versucht, in den folgenden sechs Kapiteln den Bauplan immer wieder sichtbar werden zu lassen, ohne jedoch den Be trachter durch die banale Redundanz einer Reihenhaussiedlung zu langweilen. Die interessanten Details sollen jedem sichtbar sein, jedoch nicht um als Dekor zu die nen, sondern als empirisches Fundament. Die systemtheoretische These, daß die Literatur als soziales System aus einem Ge mengelage sozialer Felder differenziert und in diesem Ausdifferenzierungsprozeß immer mehr Distinktion gegen andere Bereiche der Gesellschaft gewinnt, soll dieser Arbeit die Einheit eines Entwurfes geben; die Applikation dieser These auf das Ma terial der historischen Semantik soll ihr ein Fundament verschaffen; die Überprüfung des Differenzierungsvorganges an so verschiedenen sozialen Systemen wie Moral, Ästhetik oder Religion soll dabei nicht nur für eine größeren Grad der Validierung, sondern auch für Abwechslung sorgen.
1 Theorien der Gesellschaft als Literaturtheorien.- 2 Von der Poetik Alteuropas zur Ästhetik der Moderne. Gesellschaftsstruktur und Semantik des Epochenumbruchs.- 3 Literatur ist codierbar. Über das Böse, Schöne, Interessante und Langweilige.- 4 Die Theodizee in der Literatur. Der unaufhaltsame Aufstieg des Bösen zum Faszinosum.- 5 Die Lizenz zum Töten - Über den Mord als Motiv.- 6 Literatur und Religion. Was ist ein "theologisches Kunstwerk".- Literatur.
Über den Autor
Dr. Niels Werber, M. A., studierte Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. Veröffentlichungen zur französischen Literatur, zur strukturellen Psychoanalyse und vor allem zur Systemtheorie.