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Das Beil
Roman
Ludvík Vaculík

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Produktbeschreibung

TAGESSPIEGEL sagt:

"Der faszinierende Roman 'Das Beil' [...] ist eine Ode an Dorf und Landschaft. [...] Aus alltäglichen und philosophischen Gesprächen, magischen Landschaftsbildern und ineinanderfließenden Zeiten webt Vaculik einen dichten Erzählteppich."

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sagt:

"'Das Beil' lässt die verflossene Zeit auf höchst ungewöhnliche Weise noch einmal Farben Töne und Gerüche gewinnen[...]. Aber noch erstaunlicher ist, wie umstandslos die formalen Qualitäten des Romans, sein freies Spiel mit Bewusstseinsinhalten, das gesellschaftliche Klima der Zeit hervorzurufen vermögen."
Ein Prager Journalist ist einem Skandal auf der Spur. Dadurch wird er zu einem »Fall«, denn seine Wahrheitssuche ist für das kommunistische Regime peinlich. Er verliert seine Stelle und den Rest jener Ideale, die ihn, wie schon seinen Vater, durch das Leben begleitet haben. Zuflucht findet er in Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an die Familie, vor allem den Vater. Mit dessen Schicksal setzt er sich auseinander, um die eigene Lage zu begreifen.
Ludvík Vaculík, einer der Wortführer des »Prager Frühlings«, schrieb diesen autobiographischen Roman, der zu den Vorboten des Aufbruchs zählt.


Peter Kurzeck
Ludvik Vaculik

Ludvik Vaculik, Jahrgang 1926. Geboren 1926 in Brumov. Ludvik Vaculik wurde am 23. Juli 1926 als Sohn eines Tischlers im mährischen Brumov geboren. So oder ähnlich hätte ich anfangen wollen. Als nächstes dann hinfahren, nach Brumov fährt man über Prag, und meiner gewohnten Arbeitsweise entsprechend ein paar Jahre dort leben und sehen, wie es weitergeht mit mir und dem Text für diese Einführung. Dann, durch die Jahre hin, nachdenklich, zögernd, mit vielen Selbstgesprächen zu Fuß unterwegs, vielleicht doch zu dem Schluß kommen, daß eine Einführung doch nicht gebraucht wird. Jeder Leser soll sich selbst die Mühe machen.
Mein Lieblingsbuch ist Das Beil aus dem Jahr 1966. Ich lese es alle paar Jahre wieder. Es ist nie das gleiche Buch, und ich bin auch jedesmal ein anderer Mensch. Gerade deshalb ja lese ich Das Beil alle paar Jahre wieder. Um zu erfahren, was aus mir und dem Buch und der Zeit geworden ist, in der Zwischenzeit.
"Ich sollte zum erstenmal meinen Bruder besuchen, den Kraftfahrer. - Aber es weiß fast kein Mensch, wer das ist, mein Bruder, der Kraftfahrer." So beginnt das Buch. Eine der wenigen hinreißenden Beschäftigungen, denen ich in meinem Leben bisher zumindest, bis jetzt, erfolgreich zu widerstehen vermochte, ist das Anstreichen und Zitieren. Schon deshalb, weil ich für den Rest meines Lebens damit kein Ende fände und auch nicht mehr aufhören könnte, zu flüstern und zu deklamieren. Weil einem das Anstreichen und mehr noch das Suchen nach Anstreichenswertem beim Lesen den Atem nimmt und die Freude. Gleich wird man zum Sammler. Als ob man beim Gehen ständig nach Spuren sucht oder nach Goldklumpen, statt in Gedanken und mit sich selbst und dem Tag und der Sonne zu gehen. Immer auf den Horizont zu, im wechselnden Licht. Das Anstreichen in den Büchern würde mir, wenn ich einmal damit anfinge, augenblicklich zur Besessenheit. Ich könnte fortan nichts andres mehr tun, müßte alle Bücher, die ich lese, auch besitzen, müßte immer wieder nachsehen, ob ich auch alles richtig angestrichen habe. Für jede Bedeutung eine andere Farbe. Und außerdem, weil ich nie der gleiche Mensch bin, streiche ich nachts ganz andere Textstellen an als bei Tag. Und wieder andere, wenn ich hungrig, müde, traurig bin, und wieder andere, wenn ich im Zug sitze und die Welt zu fahren anfängt. Also zum Anstreichen mehrere Exemplare von jedem Buch, Tag- und Nachtbücher, und nicht nur die Bücher alle besitzen, sondern auch für diese Bücher ein Haus. Aber ich bin aus Böhmen und habe kein Haus. Wenn man aus Böhmen ist und Böhmen sehr früh verlassen hat, dann ist man für alle Zeiten dorthin unterwegs. Immer auf den Horizont zu. Da nützen Häuser dann nichts, weil man sehr früh gelernt hat, daß man an Häuser nicht glauben kann, an den Horizont aber schon. Deshalb also habe ich mir das Anstreichen und Zitieren versagt. Erst recht auch das Nacherzählen. Richtige Bücher lassen sich auch gar nicht nacherzählen. Im Beil würde ich jeden einzelnen Satz anstreichen. Mit allen Farben. Das ganze Land ist darin und jedes Wetter. Nicht nur, daß es mein Lieblingsbuch ist und ich die Leute im Buch alle kenne, als seien es meine eigenen Angehörigen, ich könnte auch schwören, die Briefe des Vaters im Original gesehen zu haben. Als Handschriften. Ich war dabei, als die Briefe ankamen. Ich sehe ihn sitzen und schreiben. Und wie er dabei mit Sorgfalt die Lippen bewegt. Auch deshalb bin ich gegen das Anstreichen in Büchern, damit die Bücher am Leben bleiben und wachsen und sich verändern können. Der Leser auch. Immer anders und neu die Bücher, sooft man sie liest. Auch meinen Vater sehe ich deutlicher. Je öfter ich das Buch lese, um so mehr Geduld haben wir füreinander, mein Vater und ich. Seit mein Vater tot ist, sprechen wir jeden Tag miteinander, mein Vater und ich.
Mein zweites Lieblingsbuch von Ludvik Vaculik heißt Tagträume. Mit dem Untertitel Alle Tage eines Jahres. Ein Tagebuch, ein Arbeitsjournal, ein Roman, eine Liebesgeschichte, ein Stadtführer von Prag, eine Einführung in die tschechische Literatur der Gegenwart, ein Familienalbum, ein Haushaltsbuch, ein Geschichtsbuch, ein Handbuch der Konspiration, ein Leitfaden für Verhöre, für das Verhörtwerden, eine Einführung in das Untergrund-Verlagswesen, ein Traumbuch, ein Sternenatlas und ein bißchen auch wie die alten Jahrbücher und Bauernkalender, die man als Kind an einem Herbstnachmittag auf fremden entlegenen Dachböden findet. Zum Glück alle Taschen voll Sonnenblumenkerne und Dörrpflaumen. Und keiner weiß, wo ich bin. Man fängt zu lesen an, und gleich bleibt sie stehen, die Zeit. Immer erst mitten im Traum merkt man, daß man träumt. Die Eintragungen im Buch beziehen sich auf das Schreiben und auf alles, was einem beim Schreiben jeden Tag wieder dazwischenkommt. Der Alltag, Besorgungen, Vorladung bei Behörden, Kollegen, Freunde, die Weltgeschichte, das undichte Dach, zwei Kanarienvögel, die Familie, der Garten, Besuch, die Verlagsarbeit - das Leben also, das liebe Leben. Der Verlag heißt Edice Petlice. Das läßt sich nicht übersetzen. Und wenn man es doch übersetzt, muß man sagen: Edition hinter Schloß und Riegel. Vaculik hat eine Aktentasche, und in dieser Aktentasche befindet sich der Verlag. Für den Verlag besorgt und sammelt und liest er die Manuskripte. Er holt die Manuskripte bei den Autoren ab, er spricht mit den Autoren über die Manuskripte, er bringt die Manuskripte anderen Autoren zum Lesen. Er bringt die Autoren dazu, Manuskripte für den Verlag zu schreiben. Er läßt diese Manuskripte mit Durchschlag, in drei-vier-fünf Exemplaren abtippen. Das kostet Geld. Er liest Korrektur und bringt die Exemplare zum Binden. Eins für den Autor, eins behält er als Verlag für sich selbst. Die übrigen, wieviel werden übrigbleiben, alle vom Autor signiert, sind für die freie Leserschaft in einem eingesperrten, gefangenen Land. Als Zeitgenosse, als Schriftsteller, der im Westen in der Nähe der hiesigen Produktionsmittel lebt, sucht man erst nach Mitleid, dann fängt man an, ihn zu beneiden um diese Art der Verbreitung von Wörtern. In diesen Jahren lebt im Verlag Edice Petlice in der Aktentasche von Ludvik Vaculik beinah die gesamte tschechische Literatur. Und wird bewegt und bewegt sich und bleibt am Leben.


Ein Prager Journalist ist einem Skandal auf der Spur. Dadurch wird er zu einem"Fall", denn seine Wahrheitssuche ist für das kommunistische Regime peinlich. Er verliert seine Stelle und den Rest jener Ideale, die ihn, wie schon seinen Vater, durch das Leben begleitet haben. Zuflucht findet er in Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an die Familie, vor allem den Vater. Mit dessen Schicksal setzt er sich auseinander, um die eigene Lage zu begreifen.
"Der faszinierende Roman 'Das Beil' (...) ist eine Ode an Dorf und Landschaft. (...) Aus alltäglichen und philosophischen Gesprächen, magischen Landschaftsbildern und ineinanderfließenden Zeiten webt Vaculik einen dichten Erzählteppich." (TAGESSPIEGEL)
Ludvík Vaculík, geboren 1926, war einer der bedeutendsten tschechischen Schriftsteller und Intellektuellen. Während des Prager Frühlings gehörte er zu den Initiatoren der Charta 77 und veröffentlichte im Juni 1968 das Manifest der 2000 Worte. Es folgte das Publikationsverbot. Vaculík gründete daraufhin den Samizdat-Verlag Edice petlice ("Edition hinter Schloss und Riegel") und gab dort in Eigenregie zwischen 1972 und 1989 an die 400 Bücher heraus, die nahezu die gesamte Bandbreite der tschechischen Literatur der Zeit repräsentierten. Ludvík Vaculík verstarb im Juni 2015.

Peter Kurzeck / Ludvik Vaculik / / Ludvik Vaculik, Jahrgang 1926. Geboren 1926 in Brumov. Ludvik Vaculik wurde am 23. Juli 1926 als Sohn eines Tischlers im mährischen Brumov geboren. So oder ähnlich hätte ich anfangen wollen. Als nächstes dann hinfahren, nach Brumov fährt man über Prag, und meiner gewohnten Arbeitsweise entsprechend ein paar Jahre dort leben und sehen, wie es weitergeht mit mir und dem Text für diese Einführung. Dann, durch die Jahre hin, nachdenklich, zögernd, mit vielen Selbstgesprächen zu Fuß unterwegs, vielleicht doch zu dem Schluß kommen, daß eine Einführung doch nicht gebraucht wird. Jeder Leser soll sich selbst die Mühe machen. / Mein Lieblingsbuch ist Das Beil aus dem Jahr 1966. Ich lese es alle paar Jahre wieder. Es ist nie das gleiche Buch, und ich bin auch jedesmal ein anderer Mensch. Gerade deshalb ja lese ich Das Beil alle paar Jahre wieder. Um zu erfahren, was aus mir und dem Buch und der Zeit geworden ist, in der Zwischenzeit. / "Ich sollte zum erstenmal meinen Bruder besuchen, den Kraftfahrer. - Aber es weiß fast kein Mensch, wer das ist, mein Bruder, der Kraftfahrer." So beginnt das Buch. Eine der wenigen hinreißenden Beschäftigungen, denen ich in meinem Leben bisher zumindest, bis jetzt, erfolgreich zu widerstehen vermochte, ist das Anstreichen und Zitieren. Schon deshalb, weil ich für den Rest meines Lebens damit kein Ende fände und auch nicht mehr aufhören könnte, zu flüstern und zu deklamieren. Weil einem das Anstreichen und mehr noch das Suchen nach Anstreichenswertem beim Lesen den Atem nimmt und die Freude. Gleich wird man zum Sammler. Als ob man beim Gehen ständig nach Spuren sucht oder nach Goldklumpen, statt in Gedanken und mit sich selbst und dem Tag und der Sonne zu gehen. Immer auf den Horizont zu, im wechselnden Licht. Das Anstreichen in den Büchern würde mir, wenn ich einmal damit anfinge, augenblicklich zur Besessenheit. Ich könnte fortan nichts andres mehr tun, müßte alle Bücher, die ich lese, auch besitzen, müßte immer wieder nachsehen, ob ich auch alles richtig angestrichen habe. Für jede Bedeutung eine andere Farbe. Und außerdem, weil ich nie der gleiche Mensch bin, streiche ich nachts ganz andere Textstellen an als bei Tag. Und wieder andere, wenn ich hungrig, müde, traurig bin, und wieder andere, wenn ich im Zug sitze und die Welt zu fahren anfängt. Also zum Anstreichen mehrere Exemplare von jedem Buch, Tag- und Nachtbücher, und nicht nur die Bücher alle besitzen, sondern auch für diese Bücher ein Haus. Aber ich bin aus Böhmen und habe kein Haus. Wenn man aus Böhmen ist und Böhmen sehr früh verlassen hat, dann ist man für alle Zeiten dorthin unterwegs. Immer auf den Horizont zu. Da nützen Häuser dann nichts, weil man sehr früh gelernt hat, daß man an Häuser nicht glauben kann, an den Horizont aber schon. Deshalb also habe ich mir das Anstreichen und Zitieren versagt. Erst recht auch das Nacherzählen. Richtige Bücher lassen sich auch gar nicht nacherzählen. Im Beil würde ich jeden einzelnen Satz anstreichen. Mit allen Farben. Das ganze Land ist darin und jedes Wetter. Nicht nur, daß es mein Lieblingsbuch ist und ich die Leute im Buch alle kenne, als seien es meine eigenen Angehörigen, ich könnte auch schwören, die Briefe des Vaters im Original gesehen zu haben. Als Handschriften. Ich war dabei, als die Briefe ankamen. Ich sehe ihn sitzen und schreiben. Und wie er dabei mit Sorgfalt die Lippen bewegt. Auch deshalb bin ich gegen das Anstreichen in Büchern, damit die Bücher am Leben bleiben und wachsen und sich verändern können. Der Leser auch. Immer anders und neu die Bücher, sooft man sie liest. Auch meinen Vater sehe ich deutlicher. Je öfter ich das Buch lese, um so mehr Geduld haben wir füreinander, mein Vater und ich. Seit mein Vater tot ist, sprechen wir jeden Tag miteinander, mein Vater und ich. / Mein zweites Lieblingsbuch von Ludvik Vaculik heißt Tagträume. Mit dem Untertitel Alle Tage eines Jahres

Über den Autor



Ludvík Vaculík, einer der Wortführer des "Prager Frühlings", schrieb diesen autobiographischen Roman, der zu den Vorboten des Aufbruchs zählt.


Klappentext



Ein Prager Journalist ist einem Skandal auf der Spur. Dadurch wird er zu einem »Fall«, denn seine Wahrheitssuche ist für das kommunistische Regime peinlich. Er verliert seine Stelle und den Rest jener Ideale, die ihn, wie schon seinen Vater, durch das Leben begleitet haben. Zuflucht findet er in Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an die Familie, vor allem den Vater. Mit dessen Schicksal setzt er sich auseinander, um die eigene Lage zu begreifen.
Ludvík Vaculík, einer der Wortführer des »Prager Frühlings«, schrieb diesen autobiographischen Roman, der zu den Vorboten des Aufbruchs zählt.